Offene Unterrichtsformen

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Heute wird in Abgrenzung zu den lehrerzentrierten Unterrichtsformen, bei der die Lehrkraft den Lernprozess der Kinder zentral steuert und alle Kinder zur gleichen Zeit, auf gleichem Weg dieselben Inhalte lernen, häufig der Begriff offener Unterricht verwendet. Hierunter sind alle Unterrichtskonzepte zu verstehen, die nicht in zeitlich wie inhaltlich starren Lernschritten und nur bezogen auf das Lernen im Klassenraum organisiert sind.

Da Autonomie, Mündigkeit und Erziehung zu lebenslangem Lernen als Kernziele des Unterrichts gelten, muss selbstgesteuertes Lernen besonders gefördert werden. Diesem Anspruch versucht der offene Unterricht Rechnung zu tragen:

Im Rahmen festgesetzter Phasen des Unterrichts haben die Schüler/innen Gelegenheit zur selbstständigen Arbeit: nach eigener Wahl, im eigenen Rhythmus, in frei gewählten Sozialformen. Dazu sind Arbeitsmittel vorhanden - oder werden von den Schüler/innen selbst bereitgestellt - mit denen sie allein, zu zweit oder in der Gruppe lernen und üben und an denen sie ihr Interesse wecken.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Öffnung des Unterrichts sind eine anregende, gut ausgestattete Lernumgebung, klar strukturierte Lernangebote, variable Lernzeiten, systematische Entwicklung von Arbeitstechniken, kontinuierliche Beobachtung des Lernfortschritts und eine permanente kritische Reflexion der Arbeitsprozesse.

Aktuelle Organisationsformen offenen Unterrichts, wie sie auch an unserer Schule angewendet werden, sind unter anderem Wochenplanunterricht, Werkstattunterricht, Stationenlernen und Projektunterricht. Dabei erhalten die Schüler/innen Aufgabenangebote, die zum Teil zum Pflichtpensum gehören und zum Teil Angebote zur freien Wahl darstellen.

Beim Wochenplanunterricht werden die Aufgaben einer Woche auf einem Arbeitsplan angegeben. Die Schüler/innen sind frei in der Reihenfolge der Bearbeitung. In einer rechten Spalte notieren sie, wenn sie die Aufgabe erledigt haben.

Beim Werkstattunterricht werden die Aufgaben im Klassenraum ausgelegt; die Schüler/innen holen sich die Aufgabe ihrer Wahl und bearbeiten sie an ihrem Platz. Diejenigen, die als Erste eine Aufgabe bearbeitete und mit der Lehrkraft besprochen haben, fungieren im Weiteren als ExpertInnen für diese Aufgabe.

Beim Stationenlernen werden die Aufgaben an verschiedenen Stellen im Klassenraum oder auf dem Flur deponiert; die Schüler/innen gehen nach Bearbeitung einer Aufgabe zur nächsten Aufgabe über.

Projektunterricht integriert meist mehrere Fächer. Nachdem das Projektthema gefunden ist, wird das Projekt mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam geplant. Die Lehrkraft hilft zwar bei der Materialbeschaffung, ist auf Bitten der Schüler/innen im Arbeitsprozess behilflich, aber die Schülerinnen und Schüler erforschen ihre Lebenswirklichkeit selbst, sie beziehen außerschulisches Lernen ein, arbeiten mit "Kopf, Herz und Hand", wobei jede Schülerin und jeder Schüler seine Neigungen und Fähigkeiten entfalten kann. Den Abschluss eines Projektes bildet immer eine Präsentation der Arbeitsergebnisse z.B. in Form eines Buches, eines Videofilmes, einer Vorführung, eines Festes, einer Ausstellung usw., wobei die Schüler/innen selbst oder Außenstehende wie Eltern, andere Klassen oder Kindergartenkinder die AdressatInnen sein können.

In der Praxis finden sich häufig auch Mischformen dieser genannten Konzepte und oft werden sie durch persönliche Ideen und Vorstellungen der jeweiligen Lehrkraft oder auch der Schüler/innen ergänzt und erweitert. So gibt es zum Beispiel auch Wochenplanunterricht, den Schüler/innen und Lehrkraft gemeinsam entwickeln, es gibt Werkstattunterricht, bei dem Schülerinnen und Schüler eigene Arbeitsvorhaben einbringen können oder Stationenlernen, bei dem ExpertInnen eingesetzt werden. Hier wie dort lernen die Schüler/innen, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen, eigene Interessen zu entdecken und ihre Arbeit selbst zu organisieren. 

(Quelle: Bartnitzky, H. u.a.: Die Fundgrube für die Freie Arbeit, 1. Aufl. Berlin 1998, S. 24 ff.)