"Echt stark" Mottowoche

„Was dich nicht umbringt, hinterlässt tiefe Narben“

Vom 9. bis zum 13. Dezember fand an der Kraichgauschule Mühlhausen eine besondere Präventionswoche unter dem Titel „Echt stark“ statt. Eine Woche lang drehte sich alles darum, die gesamte Schulgemeinschaft – von den Grundschülern bis zur Sekundarstufe – für das Thema Mobbing zu sensibilisieren. Die Projektwoche war nicht nur eine lehrreiche Reise, sondern auch ein emotionaler Appell an die Stärke jedes Einzelnen, sich gegen Mobbing zu wehren und gemeinsam füreinander einzustehen.

Montag: Gemeinsam starten – Was ist Mobbing?Die Woche begann mit einer Eröffnung in der Sporthalle, bei der das Ziel der Projektwoche vorgestellt wurde: ein Bewusstsein für Mobbing schaffen und Strategien dagegen entwickeln. Danach ging es in den Klassen weiter mit der Frage: „Was ist Mobbing eigentlich?“ Schülerinnen und Schüler erfuhren nicht nur die Definition von Mobbing, sondern auch, welche Rollen in einem Mobbing-Geschehen auftreten können:

• Täter/in: Die Person, die andere absichtlich verletzt, sei es durch Worte, Taten oder Ausgrenzung.

• Opfer: Derjenige, der von anderen immer wieder verletzt oder schikaniert wird.

• Mitläufer/innen: Personen, die zwar selbst nicht aktiv mobben, aber durch ihr Verhalten die Täter unterstützen – sei es durch Lachen, Zuschauen oder Schweigen.

• Außenstehende: Menschen, die das Mobbing zwar beobachten, aber nichts dagegen unternehmen.

• Helfer/innen: Mutige Menschen, die sich aktiv gegen Mobbing stellen und versuchen, das Opfer zu unterstützen.

Diese Rollen halfen den Schülerinnen und Schülern zu verstehen, dass Mobbing nicht nur die Taten der Täter umfasst, sondern auch die Verantwortung der Umstehenden.

Am zweiten Tag lag der Fokus darauf, wie man sich schützen und wehren kann. Die Grundschüler lernten, klare Grenzen zu setzen, indem sie mit einem deutlichen „Stop!“ signalisieren, wenn ihnen jemand zu nahe kommt oder sie geärgert werden. Sie erfuhren auch, wie wichtig es ist, in solchen Momenten Hilfe bei einer Lehrkraft zu suchen. Spielerisch wurden ihnen Strategien vermittelt, um sich in unangenehmen Situationen sicherer zu fühlen.    In der Sekundarstufe lag der Schwerpunkt darauf, dass „ärgern“ kein harmloser Spaß ist. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich kritisch mit dem Spruch „Das war doch nur ein Scherz!“ auseinander und erkannten, dass auch vermeintlich kleine Verletzungen tiefe Narben hinterlassen können.

Jeder Tag der Projektwoche war individuell gestaltet, sodass die Schüler und Schülerinnen auf verschiedene Weise lernten, wie sie Mobbing erkennen, sich dagegen wehren und andere unterstützen können. Besonders beeindruckend war dabei die Kombination aus Spielen, Diskussionen und praktischen Übungen, die die Botschaften nachhaltig verankerten. Auch außerschulische Partner waren hier von vor Ort, bspw. die Polizei/ Postillion e.V. oder auch die Schulsozialarbeit.

Der Höhepunkt der Woche war der Besuch von Norman Wolf am Freitag. Norman, selbst ein Opfer von Mobbing, teilte seine bewegende Geschichte mit den Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe. Mit eindringlichen Worten schilderte er seine Erfahrungen, die er in seinem Buch „Wenn die Pause zur Hölle wird“ verarbeitet hat. Er las Passagen vor, die vielen Zuhörern Gänsehaut bereiteten und ihnen die tiefen seelischen Wunden bewusst machten, die Mobbing hinterlassen kann.

Seine Botschaft war klar: „Traut euch, etwas zu sagen! Schweigen hilft niemandem.“ Norman ermutigte die Schülerinnen und Schüler, sich anzuvertrauen – sei es Eltern, Lehrkräften oder anonymen Beratungsstellen wie der „Nummer gegen Kummer“ (116 111). Er betonte, dass nur durch offene Gespräche Hilfe möglich ist.

Zum Abschluss seiner Rede übergab Norman zehn Exemplare seines Buches an die Schule, die dankbar von den Schülerinnen und Schülern entgegengenommen wurden. Die Schülersprecher bedankten sich mit kleinen Geschenken bei ihm für seinen Besuch und dafür, dass er so offen über seine schmerzhafte Vergangenheit gesprochen hatte.

Während Norman Wolf die Sekundarstufe inspirierte, beschäftigten sich die Grundschüler mit den Regeln für ein friedliches Miteinander auf dem Pausenhof. Sie lernten, dass man sich weder schubst, schlägt noch beißt und dass ein deutliches „Stop!“ immer respektiert werden muss. Auch hier stand die Botschaft im Mittelpunkt, dass Hilfe von Erwachsenen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist.

Die Projektwoche „Echt stark“ zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, über Mobbing zu sprechen und Handlungsstrategien zu vermitteln. Ein besonderer Dank gilt Norman Wolf, der mit seiner Ehrlichkeit und seinem Mut viele Schülerinnen und Schüler berührt hat.

Ein herzliches Dankeschön geht auch an die Lehrkräfte der Kraichgauschule, die mit viel Engagement die Organisation und Umsetzung dieser Woche möglich gemacht haben. Ihre Arbeit hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Schüler und Schülerinnen nicht nur Wissen, sondern auch wertvolle Lebenskompetenzen mitnehmen konnten.

Die Präventionswoche hat eines deutlich gemacht: Mobbing mag tiefe Narben hinterlassen, doch gemeinsam können wir dafür sorgen, dass niemand mit diesen Narben allein bleibt. Lassen wir uns von dieser Woche inspirieren, jeden Tag ein wenig mutiger, achtsamer und stärker zu sein – für uns selbst und für andere, um gemeinsam dem Mobbing den Kampf anzusagen und eine Kultur des Respekts und der Solidarität aufzubauen. 

(Sude Yilmaz)

 

  

 


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